"Zukunftswerkstatt Inklusion" an der Universitätsallianz Ruhr: Breitenwirkung durch Kooperation

Das Modell der "Zukunftswerkstatt Inklusion" der Universitätsallianz Ruhr macht deutlich, dass durch eine klar definierte und konkrete Hochschulkooperation der Wirkungskreis von Projekten der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" deutlich erweitert werden kann. Im Zentrum steht das gemeinsame Ziel, Lehramtsstudierenden auf Basis des jeweils neusten Erkenntnis- und Entwicklungsstandes den vertiefenden Erwerb inklusionsbezogener Kompetenzen zu ermöglichen. 

Prof. Dr. Judith Visser

Prof. Dr. Judith Visser (Mitglied im Vorstand der Professional School of Education Bochum, Ressortleitung "Lehrentwicklung") bei der Eröffnungveranstaltung der Zukunftswerkstatt Inklusion am 22. März 2018.

Professional School of Education, Bochum

Von Henning Feldmann, Stephan Hußmann, Rainer Vohwinkel und Günther Wolfswinkler
mit Zitaten von Fridtjof Filmer

Die "Zukunftswerkstatt Inklusion" ist eine Kooperation innerhalb der Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr): der Ruhr-Universität Bochum, der Technischen Universität Dortmund und der Universität Duisburg-Essen. Sie richtet sich an Lehramtsstudierende der drei Universitäten und zielt darauf ab, den Lehramtsstudierenden im Rahmen von Workshops und Vorträgen vertiefende Kenntnisse und Kompetenzen im Bereich der Inklusion zu vermitteln.

Lehrerbildung aus einem Guss gelingt am besten durch die Entwicklung einer Kooperationskultur und nachhaltiger Kooperations-und Netzwerkstrukturen zwischen den Akteuren der ersten, zweiten oder dritten Phase der Lehrerbildung. In Nordrhein-Westfalen hat sich durch eine langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit ein gemeinsames Verständnis für die Herausforderungen der Lehrerbildung zwischen den drei Phasen der Lehrerbildung entwickelt.

Dr. Fridtjof Filmer, Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen

Standort-, phasen- und themenübergreifende Zusammenarbeit

In der "Zukunftswerkstatt Inklusion" werden gleichermaßen wissenschaftliche und praxisorientierte Zugänge gewählt. Diese beruhen auf dem neusten Erkenntnis- und Entwicklungstand und können ergänzend zu den curricularen Angeboten im Rahmen der Lehramtsstudiengänge an den drei Standorten besucht werden. Die Federführung bei der Organisation und der Ausrichtung der jeweiligen Eröffnungsveranstaltungen wechselt zwischen den drei Standorten der UA Ruhr, während die Workshops der Zukunftswerkstatt von allen drei Standorten angeboten werden. Diese sind gleichermaßen für Studierende aus Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen geöffnet und behandeln Themen wie Classroom-Management, Arbeit in multiprofessionellen Teams, Diagnostik, inklusionsorientierte Lehr-/Lernkonzepte auch im Hinblick auf sonderpädagogische Förderschwerpunkte, Umgang mit Heterogenität oder Universal Design for Learning, um nur einige Beispiele zu nennen. Hierbei arbeiten sowohl Hochschulvertreter/-innen als auch Vertreter/-innen aus der Berufspraxis, der 2. Phase der Lehrer/-innenbildung, Inklusionsmoderatoren/-innen der Kompetenzteams für die Lehrerfortbildung oder des Schulministeriums zusammen mit den Studierenden an zentralen Fragestellungen der Inklusion. Im März 2019 startet bereits die vierte Runde der "Zukunftswerkstatt Inklusion".

Ausgehend von einem Workshop der Tagung "Impulse 2017 – Perspektiven & Herausforderungen für die Lehrerbildung in Nordrhein-Westfalen", die im Rahmen der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" im November 2017 in Kooperation mit NRW-Universitäten und Schulministerium organisiert wurde, ist zudem ein "Netzwerk kritische Praxisreflexion" im Entstehen. Hierzu existiert bereits eine Kooperationsvereinbarung der Universität Bielefeld mit den QLB-Universitäten Duisburg-Essen, Leibniz Universität Hannover, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Eberhard Karls Universität Tübingen und der Universität Wuppertal, die zeigt, welche Folgewirkungen dieser Tagung mit Netzwerkcharakter zukam.

Dr. Fridtjof Filmer, Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen

Synergieeffekte für das Ruhrgebiet und darüber hinaus

Die TU Dortmund und die Universität Duisburg-Essen legen in ihren Projekten der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" (QLB) einen Schwerpunkt auf das Thema Inklusion. Diese Projekte dienen dort als „Innovationsmotor“ im breiteren Kontext der inklusionsbezogenen Studiengangentwicklung. Im Rahmen der Zukunftswerkstatt weitet sich die jeweils standortbezogene Verwertung auf alle drei UA Ruhr Universitäten im Sinne einer Transfermaßnahme aus. Die UA Ruhr kann hierbei auf bereits bestehende und etablierte Kooperationsstrukturen zurückgreifen. Innerhalb des Ruhrgebiets werden auf diese Weise Synergieeffekte erzeugt, die weit über die Projektförderung der Qualitätsoffensive im engeren Sinne hinausgehen und auf diese Weise den Wirkungskreis der QLB-Förderung deutlich erweitern. Die "Zukunftswerkstatt Inklusion" der UA Ruhr kann als Modell dafür angesehen werden, wie klar definierte und sehr konkrete Hochschulkooperationen dazu beitragen, die QLB-Projekte mit standortübergreifender Expertise "anzureichern" und gleichzeitig die Projektergebnisse in die Breite zu tragen. Für die Standorte der UA Ruhr ist es auf der Basis der bisherigen Erfahrungen selbstverständlich, dass auch weitere Kooperationsprojekte nach dem Modell der "Zukunftswerkstatt Inklusion" angegangen werden, die sich weiteren zentralen Themen der Lehrer/-innenbildung widmen.

Nur zwei weitere Beispiele sind der "Letter of Intent" der Universität Duisburg-Essen mit den regional zugeordneten Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung sowie eine Kooperationsvereinbarung der Universität Münster mit der Bezirksregierung Münster, um eine abgestimmte und phasenübergreifende Lehrerausbildung sicherzustellen.

Dr. Fridtjof Filmer, Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen


Dr. Henning Feldmann ist Geschäftsführer der Professional School of Education der Ruhr-Universität Bochum. Prof. Dr. Stephan Hußmann ist Projektleiter von "DoProfil" an der TU Dortmund, Direktor des Dortmunder Kompetenzzentrum für Lehrerbildung (DoKoLL) und Professor für Mathematikdidaktik am Institut für Entwicklung und Erforschung des Mathematikunterrichts. Rainer Vohwinkel ist Inklusionsbeauftragter an Professional School of Education der Ruhr-Universität Bochum. Dr. Günther Wolfswinkler ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentrum für Lehrerbildung der Universität Duisburg-Essen und Projektkoordinator von "ProViel".

Dr. Fridtjof Filmer ist Leiter der Gruppe Lehrerausbildung/Lehrerfortbildung im Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen.