Sich mit Varianten von Praxisreflexion standortübergreifend auseinandersetzen und Erfahrungen teilen – das "Netzwerk Praxisreflexion" im Kurzportrait

Die Bedeutung eines kritisch-reflexiven Blicks auf schulische Praxis wird derzeit viel diskutiert. Dabei sind die hochschulischen Formate, in denen ein solcher Blick mit Studierenden eingeübt wird, äußert vielseitig. Darüber hinaus treffen unterschiedliche Reflexionslogiken der verschiedenen Phasen der Lehrerbildung aufeinander. Im Netzwerk werden anhand von konkreten Formaten die variierenden Verständnisse von Praxisreflexion gemeinsam beleuchtet.

Personen sitzen in einem Veranstaltungsraum an Tischen, eine Person steht und spricht; Foto: Schulia Schweitzer

Beim zweiten Bielefelder "Fachtag Praxisreflexion" (2019) wurde unter anderem über unterschiedliche professionalisierungstheoretische Verortungen von Reflexion diskutiert.

© Julia Schweitzer

von Julia Schweitzer

Das "Netzwerk Praxisreflexion" ist ein Zusammenschluss von aktuell sechs Universitätsstandorten, das zum Ziel hat, spezifische Formate von Praxisreflexion standortübergreifend bekannt zu machen, zu vergleichen und die Erfahrungen miteinander zu teilen. Beteiligt sind derzeit die Universität Bielefeld, die Universität Duisburg-Essen, die Leibniz Universität Hannover, die Westfälische Wilhelms-Universität Münster, die Eberhard Karls Universität Tübingen und die Bergische Universität Wuppertal.

Der Austausch in kollegialer Atmosphäre soll dazu beitragen, hochschuldidaktische Adaptionsmöglichkeiten für den eigenen Standort auszuloten. "Wichtig sind auch die Diskussionen darüber, in welchen (Ausbildungs-)Phasen sich welche Formate von Praxisreflexion für welche Studierenden eignen, zum Beispiel supervisorische Reflexionsangebote im Vergleich zu systemischen Ansätzen", berichtet Prof. Dr. Martin Heinrich, der die Netzwerkaktivitäten gemeinsam mit Dr. Lilian Streblow am Bielefelder Forschungs- und Entwicklungszentrum kritisch-reflexive Praxisorientierung koordiniert.

Den Kern der Aktivitäten bildet der jährlich stattfindende Bielefelder "Fachtag Praxisreflexion". Hier wurden im Jahr 2018 Kasuistische Formate zur Diskussion gestellt. 2019 stand die Praxisreflexion in Forschungswerkstätten und anhand von ethnographischen Protokollen im Zentrum. Darüber hinaus fand im Herbst 2019 ein Fachtag des Netzwerks an der Bergischen Universität Wuppertal zur Theorie-Praxis-Verknüpfung im Praxissemester statt. Im November war das Netzwerk erneut eingeladen nach Bielefeld zu kommen. Beim Fachtag "Theoria cum praxi?" standen neben verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven auch die Sichtweisen von Studierenden auf das Theorie-Praxis-Verhältnis in der Lehrerbildung im Fokus.

Wichtig sind auch die Diskussionen darüber, in welchen (Ausbildungs-)Phasen sich welche Formate von Praxisreflexion für welche Studierenden eignen, zum Beispiel supervisorische Reflexionsangebote im Vergleich zu systemischen Ansätzen.

Prof. Dr. Martin Heinrich

Neben Fachtagen bietet das Netzwerk auch die Möglichkeit zu spezifischen Kooperationen zwischen Hochschulstandorten. So führen derzeit beispielsweise Bielefelder Kolleg*innen an mehreren Universitäten in Deutschland Workshops durch und erproben so das hochschuldidaktische Konzept von sogenannten "Materialwerkstätten", in dem Hochschullehrende Praxisreflexion über (ihre eigene) Lehre betreiben.

Alle interessierten Kolleg*innen, die konkrete Formate von Praxisreflexion in der Lehrerbildung kennenlernen und diskutieren möchten oder die weitere Ideen für die Ausgestaltung des Netzwerks haben, können sich jederzeit gerne am Netzwerk beteiligen.



Julia Schweitzer ist Mitarbeiterin an der Bielefeld School of Education sowie im Projekt BiProfessional und befasst sich mit der Reflexion von Hochschullehrenden über (ihre) Lehre in der Lehrerbildung und sich darin ausdrückenden Lehrvorstellungen.