Publikation "Unterrichten auf Distanz während der Pandemie Covid-19" der Universität Köln

Digitale Kompetenzen, die Selbstwirksamkeit der Lehrkräfte sowie Lerngelegenheiten während der Ausbildung zu digitalisierungsbezogenen Medienkompetenzen sind wichtige Voraussetzungen für ein gelingendes Unterrichten auf Distanz, so die Ergebnisse einer Kurzbefragung durch die Qualitätssicherung der "Zukunftsstrategie Lehrer*innenbildung" (ZuS) unter 89 Berufseinsteigerinnen und -einsteigern.

Eine Person arbeitet mit einem Buch und einem Tablet am Schreibtisch

Lehrerinnen und Lehrer nutzen digitale und analoge Medien: Wann gelingt das Lehren auf Distanz?

© „Zukunftsstrategie Lehrer*innenbildung“ (ZuS)

Lernen auf Distanz:  Die Lehrkräfte-Ausbildung ist wichtig zur Bewältigung von Herausforderungen der Pandemie Covid-19

Ergebnisse einer Befragung von Lehrerinnen und Lehrern in Nordrhein-Westfalen und von Absolventinnen und Absolventen der Universität Köln

von Prof. Dr. Johannes König und Dr. Daniela Jäger-Biela

Die Covid-19-Pandemie forderte Schülerschaft, Eltern und Lehrerkräfte gleichermaßen heraus, da Lernen nur noch auf Distanz möglich war. Was dieses "Lernen auf Distanz" bedeutete und wie es gelang, dies untersuchten Forschende des Handlungsfeldes Qualitätssicherung des Projektes "Heterogenität und Inklusion gestalten: Zukunftsstrategie Lehrer*innenbildung (ZuS)", welches Teil der bundesweiten BMBF-geförderten "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" ist. Sie befragten Lehrerinnen und Lehrer im Mai und Juni 2020 und die ersten Ergebnisse unter den 89 befragten Berufseinsteigenden in den Lehrberuf zeigen, dass rund 90 Prozent der Lehrpersonen laut eigener Angabe regelmäßig mit den Schülerinnen und Schülern sowie den Eltern kommunizierten. Auch boten die Lehrpersonen Schulkindern, von denen sie annahmen, zusätzliche Hilfe zu benötigen, Unterstützung an. Rund 20 Prozent der Befragten gab an, wöchentlich online-Unterricht gegeben zu haben. 70 Prozent der Lehrpersonen nutzten diese Möglichkeit allerdings gar nicht.

"Weiterführend wollten wir erfahren, welche Faktoren förderlich für den Einsatz digitaler Werkzeuge während des Lernens auf Distanz waren", beschreibt Prof. Johannes König das Ziel der Studie. Es zeigte sich, dass technologisch-pädagogisches Wissen der Lehrpersonen sowie die Wahrnehmung von Lerngelegenheiten zum Erwerb digitalisierungsbezogener Medienkompetenzen in einem positiven Zusammenhang mit der aufrechterhaltenen Kommunikation mit der Schülerschaft und den Eltern sowie das Stellen von individuell abgestimmten Aufgaben steht. An Schulen, an denen Apps genutzt werden können und andere Lizenzen für Software vorliegen, stellten die Lehrpersonen zudem häufiger sicher, dass online-Unterricht stattfand. Eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz digitaler Instrumente ist ferner die wahrgenommene Selbstwirksamkeit. Denn Lehrpersonen, die von sich selbst annehmen, dass sie im Unterricht etwas bewirken können, haben auch häufiger digitale Instrumente erprobt bzw. genutzt.

"Bedenkt man, dass die Schulen, Schülerschaft und Lehrerkräfte einem Schuljahr entgegenblicken, in dem womöglich Lock-Downs für einzelne Klassen, Stufen oder ganze Schulen bevorstehen", so ordnet Prof. Johannes König die Ergebnisse der Studie ein, "sind die Schulen gut beraten, wenn sie den Ausbau digitaler Kompetenzen der Lehrpersonen fördern und die Selbstwirksamkeit der Lehrpersonen beispielsweise durch Mitbestimmungsmöglichkeiten und Freiräume im Bereich des digitalen Lernens stärken. Das Land sollte dafür Sorge tragen, dass die Infrastruktur in den Schulen den derzeitigen Anforderungen gewachsen ist. Und last but not least: Die Förderung digitaler Kompetenzen sollte bereits in der Ausbildung an den Universitäten und in den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) systematisch ausgebaut werden".