Projektvorstellung: WegE in der Beruflichen Bildung der Fachrichtungen Wirtschaftspädagogik und Sozialpädagogik an der Universität Bamberg

An der Universität Bamberg ist die Ausbildung im Lehramt für berufliche Schulen mit den Fachrichtungen Wirtschaftspädagogik und Sozialpädagogik möglich. Das Teilprojekt "Berufliche Bildung" (BeBi) im Projekt WegE zeichnet sich durch die disziplinübergreifende Zusammenarbeit von Fachvertretern der beiden Studiengänge aus. Durch strukturelle Maßnahmen und neue Seminarkonzepte soll das fachliche Profil der Studiengänge geschärft werden.

Studierende mit Laptop vor der Bamberger Stadtansicht

An der Universität Bamberg werden Studierende für das Lehramt an beruflichen Schulen mit den Fachrichtungen Wirtschaftspädagogik und Sozialpädagogik ausgebildet.

© Universität Bamberg/Tim Kipphan

Von Rahel Eisenmann, Anita Knöferle und Hannes Reinke

Die berufliche Bildung ist in besonderem Maße von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungs-, Individualisierungs- und Flexibilisierungsprozessen bestimmt. Im Zuge dessen befasst sich das Teilprojekt BeBi an der Universität Bamberg mit der Frage, wie angehende Lehrkräfte an beruflichen Schulen besser auf eine immer stärker durch Heterogenität geprägte Schülerschaft vorbereitet werden können. In der universitären Lehre ist dabei ein Ansatz, durch Theorie-Praxis-Verzahnung im Rahmen von fall- und forschungsorientierten Seminarkonzepten professionelles Handlungswissen und -kompetenz anzubahnen. Neben der inhaltlichen und konzeptionellen Profilierung wurde in der ersten Förderphase des WegE-Projekts auch die strukturelle Weiterentwicklung der beiden Studiengänge Wirtschaftspädagogik und Sozialpädagogik vorangetrieben.

Besonderheiten und Entwicklungsmaßnahmen am Standort Bamberg

Das Studium im Lehramt berufliche Bildung in der Fachrichtung Sozialpädagogik, das in einen Bachelor und Master of Education modularisiert ist, wird sowohl durch schulische als auch berufliche sozialpädagogische Praktika begleitet. Zentral und für alle Studierenden verpflichtend ist die Qualifikation für das Unterrichtsfach Pädagogik/Psychologie, das an beruflichen Schulen, Berufsfachschulen und Fachakademien für Sozialpädagogik sowie an Fach- und Berufsoberschulen unterrichtet wird, die mit dem mittleren Bildungsabschluss oder mit der (fachgebundenen) Hochschulreife abschließen. Daneben kann noch ein weiteres Unterrichtsfach gewählt werden. Da die Berufliche Bildung/Fachrichtung Sozialpädagogik in besonderem Maße auf unterschiedliche Fächer aufgeteilt ist, signalisieren Studierende fehlende Transparenz hinsichtlich studienorganisatorischer Aspekte und den Wunsch nach stärkerer Vernetzung mit Studierenden desselben Studiengangs. Spezifika und inhaltliche Anforderungen des Studiengangs wie beispielsweise der Bezug zum (sozial)pädagogischen Handlungsfeld bzw. die damit verbundene Fachdidaktik werden nicht immer hinreichend berücksichtigt.

Aus diesen Gründen wurden im Rahmen des WegE-Teilprojekts "Berufliche Bildung" verschiedene Handlungsfelder identifiziert: Neben inhaltlichen Verbesserungen, unter anderem einem spezifischen Theorie-Praxis verzahnenden Seminarangebot zum Themenbereich "Frühe Bildung und Entwicklung", erfolgten Maßnahmen auf struktureller und organisationaler Ebene. Um die Studienstruktur für Studierende transparenter zu machen, wurden ein Studienleitfaden und ein neues Veranstaltungskonzept entwickelt, das den Einstieg in das Studium begleitet und erleichtert. Über ein eigens entwickeltes Erhebungsinstrument soll zudem kontinuierlich die Zufriedenheit mit den Studiengangsbedingungen erfasst werden. Ein neu eingerichteter Qualitätszirkel mit inner- und außeruniversitären Fachvertretern und Studierenden wird künftig die Entwicklung des Studiengangs begleiten.

Der Studiengang Berufliche Bildung/Fachrichtung Sozialpädagogik zeichnet sich aus durch ein breites Spektrum an Studienfächern und -inhalten, eine heterogene Studierendenschaft mit schulischer und beruflicher Qualifikation sowie vielfältige Möglichkeiten und Perspektiven im späteren Berufsfeld.

Prof. Dr. Frithjof Grell, Vizepräsident für Lehre und Studierende und Projektleiter BeBi

Das Studium der Wirtschaftspädagogik ist traditionell stark an die Wirtschaftswissenschaften als Bezugswissenschaft angebunden. Aus der Aufteilung in den Bachelorstudiengang Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Wirtschaftspädagogik und dem Master Wirtschaftspädagogik ergeben sich am Standort Bamberg strukturell mehrere Besonderheiten. So ist die Wirtschaftspädagogik, im Gegensatz zur Beruflichen Bildung/Fachrichtung Sozialpädagogik, abseits der klassischen Lehramtsstruktur organisiert und zeichnet sich insbesondere durch die Polyvalenz des Abschlusses aus. Der Abschluss des M. Sc. Wirtschaftspädagogik qualifiziert nicht nur für die Lehrtätigkeit an beruflichen Schulen, sondern dient auch als Eingangsvoraussetzung für Tätigkeiten in Wirtschaft, den Kammern oder im Hochschulmanagement. Den Studierenden der Wirtschaftspädagogik steht es frei, ein Unterrichtsfach zu wählen oder stattdessen wirtschaftswissenschaftliche Inhalte zu vertiefen. Bundesweit einzigartig ist zudem der Studiengang M. Sc. Wirtschaftspädagogik/Wirtschaftsinformatik, der Wirtschaftsinformatik mit einer wirtschaftspädagogischen Profilbildung vereint.

Eine Stärke der Wirtschaftspädagogik im Bamberg stellt neben der Polyvalenz die starke Einbindung der Studierenden in aktuelle Forschungs- und Praxisprojekte am Standort dar. In Kooperation mit den Universitätsschulen und Unternehmen können Studierende theoretische Konzepte auf relevante berufliche Praxisfelder übertragen.

Prof. Dr. Karl-Heinz Gerholz, Professur für Wirtschaftspädagogik

Aufbau wissenschaftlich basierter Handlungskompetenz – Beispiele aus den Seminarentwicklungen der Studiengänge

Um den zunehmend wichtiger werdenden Bereich der "Frühen Bildung und Entwicklung" als berufliches Handlungsfeld pädagogischer Fachkräfte in der universitären Lehre aufzugreifen, wurde für den Studiengang BeBi/SozPäd ein Seminar zum Thema "Entwicklungsförderliche sprachliche Interaktion" konzipiert und evaluiert. Es verbindet entwicklungspsychologisches Wissen und theoretisch-empirische Bildungsforschung mit der Vermittlung professioneller Beobachtungs- und Interaktionskompetenzen in den kindlichen Entwicklungsbereichen Sprache, Mathematik und Naturwissenschaften. Durch Praxiseinheiten in der Kita mit z. B. durch Beobachtungsbögen angeleiteten Reflexionsprozessen wird die Vertiefung und Vernetzung mit theoretischem Wissen unterstützt. Das Konzept wurde bereits erfolgreich auf den Unterricht an Fachschulen übertragen und in Lehrerfortbildungen vorgestellt.

Ausgangspunkt für die Seminarentwicklung im Bereich Wirtschaftspädagogik war der professionelle Umgang mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit unterschiedlichen Lernausgangslagen. Die Gestaltung von Unterricht, der individuelle Förderung und Differenzierung ermöglicht, stellt dabei besondere Anforderungen an diagnostische Kompetenzen und professionelle Unterrichtswahrnehmung von Lehrkräften. Durch die Arbeit an textbasierten Fallvignetten, die Verhalten von Schülerinnen und Schülern an beruflichen Schulen in sozialen, emotionalen und motivationalen Problemlagen wie Prüfungsangst oder Schulabsentismus zeigen, werden Masterstudierende in einem neu gestalteten Seminar für diese Herausforderungen sensibilisiert und auf deren Bewältigung vorbereitet. Innerhalb der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" werden im neuformierten Arbeitskreis "Inklusion und Umgang mit Heterogenität in der beruflichen Bildung" Ergebnisse verschiedener Standorte zur fallbasierten Arbeit an verschiedenen Gegenständen der beruflichen Bildung diskutiert.

Ausblick – Erweiterung um die Querschnittsthemen Schulpraxis, Heterogenität und Digitalisierung

In der zweiten Förderphase wird die Gesamtstruktur des Projekts WegE um die Querschnittsthemen Schulpraxis, Heterogenität und Digitalisierung erweitert. Unter diesen Gesichtspunkten sollen angestoßene Maßnahmen weiterentwickelt, strukturell eingebunden und weitere Kooperationen der Fächer in der beruflichen Bildung geschlossen werden. Der Bereich der Didaktik der sozialpädagogischen Fächer wird dabei durch eine neu eingerichtete Professur gestärkt, deren Bestand über die zweite Förderphase hinaus gesichert ist und die fest in die universitäre Struktur eingebunden wird.

Rahel Eisenmann, Dr. Anita Knöferle und Hannes Reinke sind wissenschaftliche Mitarbeitende im WegE-Teilprojekt "Berufliche Bildung" (BeBi) der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Sie arbeiten an der Entwicklung fall- und forschungsorientierter Lerngelegenheiten zur individuellen Förderung und zum Umgang mit Heterogenität sowie im Bereich der Studiengangentwicklung.