Projektvorstellung: Warum es um mehr als "nur" digitale Medien geht – wie die TU Dresden die Digitalisierung an der Schnittstelle Hochschule – Schule gestaltet

Digitalisierung verändert viele Facetten unseres Lebens. Mit den resultierenden Anforderungen an ein Lehramtsstudium sowie der inhaltlichen und organisatorischen Gestaltung von Lehren und Lernen befasst sich das Projekt TUD-Sylber. Dabei geht es um mehr als "nur" den Einsatz digitaler Medien im Unterricht. Sindy Riebeck spricht über die Verankerung des Themas Digitalisierung in der Lehrerbildung und die Entwicklung einer digitalen Infrastruktur in Schulen und Hochschulen.

Foyer der TU Dresden; Foto: Crispin-Iven Mokry

Mit den aus der Digitalisierung resultierenden Anforderungen an ein Lehramtsstudium befasst sich das Projekt TUD-Sylber der Technischen Universität Dresden.

© Crispin-Iven Mokry

Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf Schule und Lehrerbildung?

Riebeck: Die sich vollziehenden gesellschaftlichen Veränderungen in einer digitalisierten, vernetzten und automatisierten Welt betreffen verschiedene Verantwortungsbereiche in der Bildung, womit gerade Lehrkräfte in allen Schularten wie auch Lehrende an den Hochschulen besonders gefordert sind, Lehr- und Lernprozesse zu hinterfragen, weiterzuentwickeln sowie auch völlig neu zu gestalten.

Es geht nicht darum, einfach "etwas mit digitalen Medien" zu machen, sondern um das eigenständige Gestalten digitaler Anwendungen durch kreatives Verändern. Das Zusammenspiel von Medienbildung und informatischer Bildung in Schule und Hochschule wird notwendig, als expliziter Beitrag zu einer erneuerten Allgemeinbildung. Damit ist es erforderlich, den Lehrkräften in der grundständigen Ausbildung als auch in Fort- und Weiterbildungen neben medienpädagogischen und didaktisch-methodischen Aspekten zur Nutzung digitaler Medien im Unterricht auch Inhalte der informatischen Bildung zu vermitteln.

Es geht nicht darum, einfach "etwas mit digitalen Medien" zu machen, sondern um das eigenständige Gestalten digitaler Anwendungen durch kreatives Verändern. Das Zusammenspiel von Medienbildung und informatischer Bildung in Schule und Hochschule wird notwendig, als expliziter Beitrag zu einer erneuerten Allgemeinbildung.

Sindy Riebeck

Wie geht TUD-Sylber diese Herausforderungen an? Was hat die "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" an der Technischen Universität Dresden in den letzten Jahren bewegt?

Riebeck: Das Maßnahmenpaket "Synergetische Lehrerbildung im exzellenten Rahmen" (TUD-Sylber) setzt darauf, die vielfältigen Beteiligten der Lehrerbildung innerhalb der Universität sowie in ihrem Umfeld besser zu vernetzen und ihr Handeln aufeinander abzustimmen. An dem Projekt sind Professuren aus sieben Fakultäten sowie das Zentrum für Lehrerbildung, Schul- und Berufsbildungsforschung (ZLSB) beteiligt. Das Teilvorhaben "Lehrerbildung in Schulen und Hochschulen vernetzen" ist an der Professur für Didaktik der Informatik verortet.

Durch die fächerübergreifende Zusammenarbeit im Rahmen von TUD-Sylber ist es gelungen, das Thema Digitalisierung in den Fokus der universitären Lehrerbildung zu rücken und als ein zentrales Querschnittsthema zu platzieren. Die Aktivitäten und Ergebnisse ordnen sich zudem in die strategische Ausrichtung des Freistaates Sachsen zum Umgang mit Digitalisierung im Bildungsbereich ein.

TUD-Sylber entwickelt und erprobt das Identitätsmanagementsystem Schullogin. Worum handelt es sich hierbei und welchen Mehrwert hat das System?

Das Seminar "Digitalisierung und Schule" beschränkt sich ausdrücklich nicht auf konkrete Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien im Unterricht. Es thematisiert unter anderem Pilotprojekte mit digitalen Medien, Bildungspolitik, Datenschutz, empirische Studien, Schule & Kollegium, Rollenverständnis und Unterrichtskonzepte.

Sindy Riebeck

Riebeck: Das landeseinheitliche Identitätsmanagementsystem Schullogin ist ein Dienst des Sächsischen Bildungsservers und stellt einen zentralen Login für Schüler und Lehrer des Freistaates Sachsen bereit. Neben dem Zugang auf webbasierte Dienste und Anwendungen wie Lernplattformen, Mail oder Dateiablage über die Plattform www.schullogin.de, soll derselbe Account den Zugriff auf schulische IT-Infrastruktur wie das Schulnetzwerk oder WLAN und bundesweite digitale Bildungsangebote ermöglichen.

Schullogin ist von Beginn an ein Kooperationsprojekt zwischen dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus und der TU Dresden. Das System befindet sich im Testbetrieb und wird derzeit von rund 27.000 Schülern und Lehrern genutzt. In den Strategiepapieren des Freistaates Sachsen ist Schullogin fest verankert. Nach Abschluss der ersten Förderphase werden die Weiterentwicklung sowie die Überführung in den Regelbetrieb durch den Freistaat Sachsen abgelöst und weiterfinanziert.

Im Seminar "Digitalisierung und Schule" geht um mehr als 'nur' digitale Medien. Welche Themen und Personen fokussiert das Angebot?

Riebeck: Die neu konzipierte Lehrveranstaltung "Digitalisierung und Schule: Warum es um viel mehr als 'nur' digitale Medien geht" wird seit dem Wintersemester 2016/17 regelmäßig im Ergänzungsbereich der Lehramtsstudiengänge an der TU Dresden angeboten. Die Lehramtsstudierenden können die Veranstaltung unabhängig von der studierten Fachkombination und Schulform wählen.

Das zentrale Ziel des Seminars ist die Sensibilisierung der Lehramtsstudierenden für Auswirkungen der Digitalisierung auf Schule und ihre zukünftige Tätigkeit. Das Seminar beschränkt sich ausdrücklich nicht auf konkrete Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien im Unterricht. Vielmehr sollen die Studierenden neben dem Erwerb von Überblickswissen aktuelle Entwicklungen im Kontext von Digitalisierung einordnen und eine reflektierte individuelle Position entwickeln. Das Seminar thematisiert unter anderem Pilotprojekte mit digitalen Medien, Bildungspolitik, Datenschutz, empirische Studien, Schule & Kollegium, Rollenverständnis und Unterrichtskonzepte. Zentrale Merkmale des Seminars sind eine hohe Studierendenorientierung, ein hoher Reflexionsaufwand sowie der erlebbare Einsatz digitaler Medien. Die Veranstaltung ist durch einen ganzheitlichen Blick auf das Thema Digitalisierung über den jeweiligen fachlichen Tellerrand hinaus ein Gewinn für Studierende.

Das inhaltliche Konzept wurde neben dem Lehramtsstudium auch für Lehrangebote im Studienseminar adaptiert und in der Lehrerfortbildung eingesetzt.

Mit der Koordinierungsstelle "Digitalisierung in der Lehrerbildung" schaffen Sie Strukturen, um die Thematik Digitalisierung nachhaltig in der Dresdner Lehrerbildung zu verankern. Welche Fortschritte haben Sie gemacht?

Das Projektziel, Digitalisierung als Querschnittsthema in der Lehrerbildung zu verankern, wird in den kommenden Jahren flankiert durch eine Reform der sächsischen Lehrerprüfungsordnung, die das Thema verbindlich in den Studienplänen verankern soll.

Sindy Riebeck

Riebeck: Mit der Koordinierungsstelle "Digitalisierung in der Lehrerbildung" wird eine zentrale Anlaufstelle für digitale Themen im Kontext der Lehrerbildung geschaffen. Die Koordinierungsstelle ist im ZLSB angesiedelt und soll die vielfältigen universitären Angebote und Aktivitäten in diesem Handlungsbereich bündeln. Dazu gehört zuallererst, für Studierende und Lehrende Transparenz über Lehr-Lernangebote, Pilotvorhaben, Supportstrukturen und Forschungsvorhaben herzustellen, die digitale Medien beziehungsweise Digitalisierung im Kontext von Schule thematisieren. Letztlich soll die Arbeit der Koordinierungsstelle dazu beitragen, unter breiter Beteiligung vieler Akteure eine kohärente strategische Weiterentwicklung der Dresdner Lehrerbildung in Bezug auf Digitalisierung zu erreichen und zugleich die Vernetzung der Universität mit den anderen Phasen der Lehrerbildung sowie der Bildungspolitik und Bildungsadministration zu intensivieren. Das Aufgabenspektrum umfasst die Betreuung eines ZLSB-Arbeitskreises ebenso wie die inhaltliche und methodische Beratung von Lehrenden aus Bildungswissenschaften und Fachdidaktiken sowie die Initiierung und Koordinierung neuer Projekte.

Wie wird die Arbeit in der zweiten Förderphase der QLB fortgeführt?

Riebeck: Der Projektverlauf hat gezeigt, dass es trotz der prinzipiellen Aufgeschlossenheit vieler Kollegen einige Zeit benötigt, um über die Grenzen der Fachdidaktik Informatik hinweg, Akteure zu sensibilisieren, Kooperationspartner zu gewinnen und Strukturen aufzubauen.
Die Koordinierungsstelle "Digitalisierung in der Lehrerbildung" im ZLSB wird daher erst in der zweiten Förderphase in vollem Umfang etabliert. Eine dauerhafte Weiterfinanzierung der Einrichtung ist bei positiver Evaluation durch das Rektorat in Aussicht gestellt.
Das Projektziel, Digitalisierung als Querschnittsthema in der Lehrerbildung zu verankern, wird in den kommenden Jahren flankiert durch eine Reform der sächsischen Lehrerprüfungsordnung, die das Thema verbindlich in den Studienplänen verankern soll. Dies umzusetzen wird ebenso eine Aufgabe der Koordinierungsstelle wie auch die Förderung der Entwicklung einer kohärenten Aus- und Fortbildungskonzeption über alle Phasen der Lehrerbildung hinweg für alle Schularten und Jahrgangsstufen.

 

Sindy Riebeck; Foto: TUD/Kirsten Lassig

Sindy Riebeck

© TUD/Kirsten Lassig

Sindy Riebeck, Diplom-Kommunikationspsychologin (FH), ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Didaktik der Informatik und seit 2010 in verschiedenen Projekten im Kontext von Digitalisierung in Schule, Hochschule und Lehrerbildung an der Technischen Universität Dresden tätig. Seit März 2016 koordiniert sie das Einzelvorhaben "Lehrerbildung in Schulen und Hochschulen vernetzen" im Maßnahmenpaket "Synergetische Lehrerbildung im exzellenten Rahmen (TUD-Sylber)" und ist zugleich Ansprechpartnerin an der TU Dresden für die Entwicklung des Identitätsmanagementsystems Schullogin für alle sächsischen Schulen.