"Portfolio in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung" – Baden-württembergische Netzwerktagung

Portfolios werden zunehmend zu einem wichtigen Bestandteil der Lehrerbildung in Baden-Württemberg. Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt es zu Portfolioarbeit? Wie kann gelingende Portfolioarbeit aussehen? Welche Perspektiven entwickeln Lehrende und Studierende auf Portfolios? Mit solchen und weiteren Fragen befasste sich eine Netzwerktagung am 03. Mai 2019 an der Universität Konstanz.

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v.l.n.r.: Lina Feder (Moderatorin), Prof. Dr. Thomas Häcker, Dr. Gerd Bräuer, Prof. Maria Berger-Senn, Selina Winkler, Michael Kilper, Jens Richard Bodamer

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Von Christine Ziegelbauer

Seit 2015 ist das Portfolio ein wichtiger Bestandteil der baden-württembergischen Lehramtsausbildung. Die Studierenden und Lehramtsanwärterinnen und -anwärter sollen darin ihre professionelle Entwicklung bezogen auf die Praxisphasen dokumentieren und reflektieren. Diese bildungspolitische Vorgabe hatte zur Folge, dass alle lehramtsausbildenden Standorte der ersten und zweiten Phase in Baden-Württemberg Portfolioarbeit in ihre Ausbildung aufnehmen mussten. Einige Einrichtungen konnten bereits auf vorhandene Konzepte aufbauen. Viele mussten jedoch von Null anfangen und völlig neue Portfolio-Konzepte entwickeln und in ihre Strukturen integrieren.

Daher lud die Binational School of Education im Rahmen des Projekts "EPASS – ePortfolio als Schlüssel-System für Lebenslanges Lernen" am 03. Mai 2019 zu einer Netzwerktagung zum Thema "Portfolio in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung" an die Universität Konstanz ein. Hiermit sollte an eine im Februar 2018 in Tübingen stattgefundene Veranstaltung zu Portfolioarbeit angeknüpft werden. Der Einladung folgten rund 70 interessierte Kolleginnen und Kollegen der verschiedensten lehramtsbildenden Einrichtungen aus Baden-Württemberg und der Schweiz. Im Fokus der Tagung standen zum einen die theoretisch-empirische Auseinandersetzung mit dem Konstrukt Portfolio und zum anderen die konkrete Bearbeitung von Praxisfragen. So setzte sich Prof. Dr. Thomas Häcker von der Universität Rostock in seinem Vortrag kritisch mit dem deutschsprachigen Diskus auseinander und plädierte für eine pragmatische-realistische Perspektive auf Portfolioarbeit und die damit verbundenen Erwartungen. Lina Feder und Dr. Tim Fütterer von der Eberhard Karls Universität Tübingen arbeiteten in ihrem Vortrag die der Portfolioarbeit zugeschriebenen Potenziale heraus, wobei sie gleichzeitig auf das beachtliche Forschungsdefizit verwiesen. Abschließend diskutierten sie die Chancen, Grenzen und Herausforderung der Begleitforschung und warben für die Etablierung einer Scientific Community, um die empirischen Leerstellen zu schließen.

©  bise.uni.kn/ Stefanie Reuther

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Nach der Mittagspause konnten die Teilnehmenden sich mit der praktischen Umsetzung ihrer eigenen Portfoliokonzepte beschäftigen. Hierzu wurden Workshops zu den Themen Aufgabendesign, Konzeption und Evaluation von Portfolioarbeit sowie dem Urheberrecht bei ePortfolioarbeit angeboten. Den Abschluss der Netzwerktagung bildete eine Podiumsdiskussion, bei der Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Forschung und Praxis ihre jeweilige Sichtweise auf Portfolioarbeit in der Lehramtsausbildung sowie deren Umsetzung darlegten und darüber in einen Austausch kamen.

Die Netzwerktagung hatte neben dem wissenschaftlichen und praxisbezogenen Austausch zum Thema Portfolioarbeit auch die engere Zusammenarbeit der verschiedenen Standorte und Ausbildungsphasen zum Ziel. Um diese zu intensivieren, soll ein baden-württembergisches Portfolio-Netzwerk gegründet werden. Die konstituierende Sitzung wird am 02. Juli 2019 in Tübingen stattfinden.