Phasen- und organisationsübergreifendes Arbeiten auf Augenhöhe: Die transdisziplinären Entwicklungsteams des ZLL-Netzwerks der Leuphana Universität Lüneburg

Mit dem Anspruch, die Zusammenarbeit als eine Kultur des Miteinanders zu gestalten, kommen in den transdisziplinären Entwicklungsteams der Leuphana Universität Vertreter aus 25 Organisationen der Lehrkräfteaus- und -weiterbildung zusammen. In kokonstruktiver Arbeit werden innovative Formate für die Lehrkräftebildung entwickelt, umgesetzt und Gelingensbedingungen reflektiert. Mit Blick auf eine nachhaltige Verbesserung der Lehrkräftebildung sollen die entwickelten Lernangebote verstetigt werden.

Entwicklungsteam der Leuphana Universität Lüneburg

In den transdisziplinären Entwicklungsteams der Leuphana Universität Lüneburg kommen Vertreter aus 25 Organisationen der Lehrkräfteaus-, -fort- und -weiterbildung zusammen.

ZZL-Netzwerk

Von Jane Brückner

Lehrkräfteausbildung ist an der Leuphana Universität Lüneburg traditionell Schwerpunkt der Hochschulbildung. Mit dem 2013 gegründeten Zukunftszentrum Lehrerbildung (ZZL) wurde für die zeitgemäße Gestaltung und Weiterentwicklung der Lehrerbildung an der Leuphana ein Raum geschaffen, der als Knotenpunkt für die Vielzahl der beteiligten Akteure und als Impulsgeber für Forschungsaktivitäten in der Lehrkräftebildung einen Beitrag zur kontinuierlichen, interdisziplinären und zukunftsorientierten Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung leistet. Mit Beginn des Projektes ZZL-Netzwerk im Rahmen der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" sind die Themen Theorie-Praxis-Verzahnung, Transfer und Innovation als übergeordnete Ziele in den Fokus des Handelns am Zukunftszentrum Lehrerbildung der Leuphana gerückt.

Die Entwicklungsarbeit des Projektes ist von einem neuen Format der Zusammenarbeit geprägt: Für die Verzahnung von Theorie und Praxis arbeiten wir in Entwicklungsteams zusammen, die sich aus Lehrkräften, Hochschullehrenden, Forschenden, Entwickelnden und Studierenden zusammensetzen. Vertreterinnen und Vertreter aus der Wissenschaft und der (schul-) pädagogischen Praxis erarbeiten gemeinsam, kokonstruktiv und kollaborativ Konzepte und Materialien für die Lehrkräftebildung und -fortbildung. Hierbei entstehen Hochschulseminare, Fortbildungsreihen, Lernbausteine und Lehr- und Lernmaterialien sowie wissenschaftliche Publikationen. Dieses neuartige Format der Zusammenarbeit gewährleistet nicht nur breit abgesicherte Ergebnisse, sondern bietet auch Möglichkeiten für das Aufspüren und Bearbeiten von Herausforderungen und Problemen in der schulischen Praxis.

Wir haben den Anspruch, ganz neue Lösungen zu entwickeln, die einerseits wissenschaftlich anspruchsvoll und visionär sind, die trotzdem praktisch und umsetzbar und alltagstauglich sind und die auch für die Studierenden erlernbar sind. Dazu müssen wir die unterschiedlichen Argumente und Sichtweisen verstehen. Das ist eine große Herausforderung, aber auch eine riesige Chance, um die Ausbildung zu verbessern.

Stefan Spöhrer, Johannes-Rabeler-Schule Lüneburg, Studienseminar für Sonderpädagogik Lüneburg, Mitglied im Entwicklungsteam "Coaching und Mentoring"
Stefan Spöhrer

Stefan Spöhrer

Stefan Spöhrer/private Aufnahme

Unsere Arbeit in den Entwicklungsteams zeichnet sich durch eine offene Verpflichtung der Teammitglieder aus, sich über mehrere Teilprojekte hinweg mit Engagement und in gegenseitiger Wertschätzung einzubringen. Durch ein Zusammenwirken der verschiedenen institutions- und fachspezifischen Wissensbestände und multiprofessionellen Kompetenzen können wir im Arbeitsmodus der Entwicklungsteamsitzungen die Perspektiven und Bedarfe der beteiligten Organisationen in die Entwicklung, Umsetzung, Reflexion, Verstetigung sowie den Transfer einbeziehen.

Diverse Perspektiven und unterschiedliche Kompetenzen zusammenzubringen, birgt ein immenses Innovationspotential. Das, was zum Beispiel bei einem Teammitglied der Fachdidaktik grundlegende Fragen aufwirft, kann eine erfahrene Lehrkraft mit einem Bericht aus der Schulpraxis abfangen. Hierzu schlägt dann ein Teammitglied mit theoretischer Expertise ein Vergleichsmodell vor und der Pragmatiker im Team konkretisiert die Umsetzung der Idee. Dabei kommen meist Ergebnisse heraus, die eben auch den Ansprüchen von verschiedenen Akteuren und Zielgruppen in der Lehrerbildung gerecht werden können.

Dr. Jane Brückner, Koordinationsstelle am ZZL-Netzwerk, Mitglied im Entwicklungsteam "Coaching und Mentoring"
Dr. Jane Brückner

Dr. Jane Brückner

Jane Brückner/private Aufnahme

Die Mitglieder der Entwicklungsteams richten in der Entwicklungsarbeit ihre berufsbezogenen Ressourcen und Aktivitäten auf ein gemeinsames Anliegen innerhalb eines Handlungsfeldes des ZZL-Netzwerkes. Dabei können die Entwicklungsteams auf gemeinsame Lösungsstrategien für themenspezifische Problematiken, Erfahrungsberichte und Fachwissen ihrer Mitglieder zurückgreifen. Zusätzlich zum Erfahrungs- und Wissensaustausch werden auch Produkte, Instrumente oder Daten geteilt bzw. den Teammitgliedern bereitgestellt. Davon profitieren sowohl die Teammitglieder im Einzelnen als auch die Arbeit des gesamten Teams.

Der jeweilige Arbeitsprozess eines Entwicklungsteams ist am Outputformat bzw. am Produkt orientiert. So erarbeitete beispielsweise das Entwicklungsteam Mathematik im Handlungsfeld Kompetenzorientierung zusammen mit Studierenden in einem Seminar Aufgaben und kleinere Unterrichtsbausteine. Hierzu arbeitet das Entwicklungsteam Mathematik von der Themenfindung über die Seminarsitzungen und die Reflexionsphasen bis hin zur Verbreitung der Materialien zusammen.

Durch die Zusammenarbeit im Entwicklungsteam sind wir bei der Realisierung eines kompetenzorientierten Mathematikunterrichts einen großen Schritt weitergekommen. Studierende erhalten praxisnahe fachliche und fachdidaktische Grundlagen zum mathematischen Problemlösen und konzipieren Unterrichtsmaterialien in enger Kooperation mit uns Hochschullehrenden und den Lehrkräften aus der Schulpraxis. Das Unterrichtsmaterial findet dann sogleich Anwendung im Schulunterricht. Aktueller am Stand der fachdidaktischen Forschung kann Kompetenzorientierung wohl kaum in die Schulen gelangen. Außerdem wird Hochschullehre für die Studierenden somit endlich praxisnäher gestaltet. Das ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten!

Sarina Scharnberg, Handlungsfeld Kompetenzorientierung am ZZL-Netzwerk, Mitglied des Entwicklungsteams Mathematik
Sarina Scharnberg

Sarina Scharnberg

Sarina Scharnberg/private Aufnahme

Die gemeinsamen Arbeiten in den Teamsitzungen, Seminaren und Projektveranstaltungen fungieren somit als ein Forum, in dem es zu Lerneffekten aller Mitglieder über die Interaktionen in der jeweiligen Gruppe kommt. Genau hier liegt auch ein Untersuchungsinteresse unserer Begleitforschung zu den Entwicklungsteams. Sie fragt nach den Funktionsweisen der Wissensgenese, nach der Transformation von Wissen sowie nach dem Verlauf des Wissensflusses in den Entwicklungsteams. Es soll mit einer Studie der Interdisziplinarität der Wissenstransformation nachgegangen werden, denn hier, so vermutet Dr. Lutz Dollereder, der in der Begleitforschung am ZZL-Netzwerk tätig ist, lässt sich eine wesentliche Grundlage für die Transferleistung der Beteiligten ausmachen. Das in der Forschungs- und Entwicklungsarbeit generierte Wissen würde dann als transdisziplinäres Wissen gebündelt und von jeder teilnehmenden Statusgruppe auf unterschiedliche Weise transformiert, um es für die eigene Berufspraxis nutzbar zu machen. Damit würde jedes Teammitglied einen jeweils eigenständigen Beitrag zur Gestaltung der gemeinsamen Wissensdomain am ZZL-Netzwerk beitragen.

Innovatives Moment der Arbeit in den Entwicklungsteams ist die Kombination aus der strukturellen Perspektive einer Community of Practice gepaart mit der transdisziplinären Ausrichtung der Akteure. Charakteristisch sind hierbei die starken Beziehungen der Akteure. Für die wissenschaftliche Betrachtung der Entwicklungsteams des ZZL-Netzwerks ist deren transdisziplinäre Zusammensetzung besonders interessant, denn in der Relation von Struktur und Interaktion erwächst eine spezifische Funktion des einzelnen Akteurs im Team.

Dr. Lutz Dollereder, Begleitforschung am ZZL-Netzwerk
Dr. Lutz Dollereder

Dr. Lutz Dollereder

Lutz Dollereder/private Aufnahme

Vor dem Hintergrund der Fragestellungen der Begleitforschung, der positiven Rückmeldungen der Teammitglieder und der guten Ergebnisse in den Handlungsfeldern möchten wir die Arbeit der Entwicklungsteams auch in der zweiten Förderphase der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" am ZZL-Netzwerk fortführen. Perspektivisch sollen die Mehrwerte dieser Zusammenarbeit für die beteiligten Akteurs- und Statusgruppen strukturiert abgebildet und wissenschaftlich dokumentiert werden. So wäre eine nachhaltige Nutzung des Formates im Entwicklungsteam für andere Organisationseinheiten der Leuphana Universität Lüneburg möglich. Bisher haben diesbezüglich die Fakultät Nachhaltigkeit und die Fakultät Wirtschaftswissenschaften der Leuphana Interesse signalisiert. Das Prodekanat Vernetzung der Leuphana unterstützt den Transfer des Formates der Entwicklungsteams, indem es die Rahmenbedingungen prüft und bei der Einrichtung von Entwicklungsteams an der Leuphana Universität Lüneburg konkrete Hilfeleistungen anbietet. Damit sind wichtige Schritte für eine Implementierung der Entwicklungsteamarbeit als Format der Kooperation und Kollaboration an der Leuphana gemacht und der Weg für die hochschulübergreifende Nutzung geebnet.


Dr. Jane Brückner arbeitet als Bildungsmanagerin für Bildungsorganisationen und Netzwerke im Bereich des digitalen Lehrens und Lernens. Am Zukunftszentrum Lehrerbildung der Leuphana Universität gestaltet sie den Transfer durch die Öffentlichkeitsarbeit.