Musiklehrkräftebildung gemeinsam neu denken: Das Netzwerk musikpädagogischer Projekte in der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" im Kurzporträt

Musik als künstlerisch-ästhetisches Schulfach soll musikalische Bildung und kulturelle Teilhabe ermöglichen, im Unterricht spielen vielfältige Umgangsformen mit Musik eine Rolle. Musiklehrkräfte müssen über ein breites Spektrum professioneller Fähigkeiten verfügen; entsprechend groß ist die Herausforderung, diese im Studium erfolgreich anzubahnen. Die Mitglieder des "Netzwerks musikpädagogischer Projekte in der ‚Qualitätsoffensive Lehrerbildung‘" tauschen sich seit 2018 regelmäßig dazu aus.

Kinder beim Schlagzeugspielen

Musikunterricht soll vielfältige ästhetische Erfahrungen ermöglichen, kreative Prozesse und gemeinsames musikalisches Gestalten initiieren und fördern.

© Adobe Stock/David Fuentes

Von Daniela Neuhaus und Gabriele Puffer

Die Idee einer Vernetzung der musikpädagogischen Projekte in der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" entstand 2017 am Rande einer Tagung des Arbeitskreises musikpädagogische Forschung e. V. (AMPF). Erste Berichte aus laufenden Projekten machten deutlich, dass die Arbeit an Universitäten, Pädagogischen Hochschulen und Musikhochschulen vielerorts mit ähnlichen Herausforderungen verbunden ist. Seit Februar 2018 treffen sich zweimal jährlich Musikpädagoginnen und -pädagogen aus ganz Deutschland und arbeiten an ein bis zwei Tagen gemeinsam an einem breiten Themenspektrum. Insgesamt sind aktuell 18 musikpädagogische Projekte aus der 2. Förderphase der Qualitätsoffensive am Netzwerk beteiligt.

Innovative Konzepte diskutieren

Musiklehrkräfte vermitteln Kindern und Jugendlichen Grundwissen über Musiken, Musikerinnen und Musiker verschiedenster Epochen und Stile. Ihr Unterricht soll vielfältige ästhetische Erfahrungen ermöglichen, kreative Prozesse und gemeinsames musikalisches Gestalten initiieren und fördern, und vieles mehr. Zudem wird dem Musikunterricht ein besonderes Potenzial für Inklusion und das Ermöglichen kultureller Teilhabe zugeschrieben. Entsprechend umfangreich ist das Spektrum an Kompetenzen, über das Musiklehrkräfte verfügen müssen. Neben professionellem Wissen sind auch künstlerisch-musikpraktische Fertigkeiten, spezifische diagnostische Fähigkeiten und hohe Reflexivität gefragt. Einen Arbeitsschwerpunkt der Netzwerktreffen bildet daher die Diskussion fachspezifischer hochschuldidaktischer Konzepte und Materialien für die Musiklehrkräftebildung.

Sich der eigenen Fachlichkeit vergewissern

Neben dieser Arbeit und einem Austausch über forschungsbezogene und organisatorische Fragen geht es im Netzwerk musikpädagogischer Projekte auch darum, immer wieder zu bestimmen, worin spezifisch fachliche Aspekte des Professiona­lisierungsprozesses von Musiklehrkräften liegen können und sollen. Dies ergibt sich daraus, dass die musikpädagogischen Projekte in der Regel Teil eines gesamtuniversitären oder ‑hochschulischen Projekts sind. Dessen Ziele und leitende Konzepte sind meist fachübergreifend oder mit Blick auf andere Unterrichtsfächer entworfen. Im Austausch der musikpädagogischen Teilprojekte diskutieren wir regelmäßig, in­wieweit generische Konzepte zu Professionalisierung und Professionalität für die Lehrkräftebildung im Fach Musik übernommen werden können, und wo sie gegebenenfalls adaptiert, modifiziert oder ergänzt werden müssen.

Arbeitsergebnisse disseminieren

Ein gemeinsames Anliegen besteht darin, die Erträge der musikpädagogischen Projekte sichtbar zu machen. So stellte sich das Netzwerk in der Zeitschrift "Diskussion Musikpädagogik" einer breiten Fachöffentlichkeit vor; im Herbst 2019 präsentierten die Mitglieder gemeinsam auf der Jahrestagung des AMPF Forschungserträge aus der ersten Phase der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung“. Für das dritte Quartal 2021 ist ein Themenheft der Zeitschrift "Die Materialwerkstatt" (DiMawe) in Vorbereitung, das sich "Materialien zur Musiklehrer*innenbildung" widmen wird.


Dr. Daniela Neuhaus ist Akademische Rätin in der Fachgruppe Musikpädagogik an der Bergischen Universität Wuppertal, Dr. Gabriele Puffer Akademische Oberrätin am Lehrstuhl für Musikpädagogik der Universität Augsburg.
Beide forschen und publizieren seit vielen Jahren zu Professionalisierung und professionellen Kompetenzen von Musiklehrkräften und koordinieren die Arbeit des Netzwerks musikpädagogischer Projekte in der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung".