Lernen für die Zukunft braucht ein Lernhaus der Zukunft

Der Raum als dritter Pädagoge ist keine neue Erkenntnis, wenn auch bisher viel zu wenig empirisch beforscht. Im Schulversuch "Universitätsschule Dresden" wird auch diese Facette des komplexen Lehr-Lernprozesses beforscht – für inklusives und zeitgemäßes Lernen. Benötigt wird hierfür ein geeignetes Lernhaus. Dass dieses für die wachsende Schulgemeinschaft entsteht, ist aufgrund der pandemiebedingten Haushaltssituation nicht mehr gegeben. 

mehrere Schülerinnen und Schüler stehen um einen Tisch herum und betrachten einen Laptop

Schülerinnen und Schüler im Lernprozess an der Universitätsschule Dresden

© Michael Kretzschmar

Von Anke Langner

Der Raum als dritter Pädagoge erfüllt im Schulversuch "Universitätsschule Dresden" zwei Dimensionen: als Lernraum im Schulgebäude und als sozialer Raum – die Universitätsschule als Stadtteilschule und Teil einer sozialräumlichen Struktur. Der Raum schafft Struktur für die pädagogische und auch soziale Praxis, zugleich reproduziert er Strukturen, weil er diese über sich transportiert. Das bedeutet, über die Gestaltung der Raumanordnungen und der gesetzten Funktionsvermittlung des materiellen Raums erschafft sich der soziale Raum. Mit Bezug auf den schulischen Lernraum impliziert das, dass der Raum sowohl Ausdruck von der Vorstellung von Bildungs- und Aneignungsprozessen ist, als auch diese sehr stark bedingt.

Der Schulversuch "Universitätsschule Dresden" ist mit dem Anspruch gestartet, individuelle Entwicklungswege in kooperativen Lernprozessen zu gestalten. Dies wie auch das digital gestützte Lernen muss sich in der Raumstruktur wiederfinden, indem er folgender Funktionalität entspricht:

  • Flexibilität der Gruppengrößen bei mehreren parallel arbeitenden Gruppen in einem Raum
  • Klarheit und wiederkehrende Struktur der Räume ermöglichen standardisierte Einrichtung, dadurch Selbstwirksamkeit und zeitlich flexible Lernangebote.
  • Der Raum muss eine Umgebung für differente Lern-, Spiel- und Arbeitsphasen bereithalten und so Flexibilität der Lernformen ermöglichen (z.B.  erfahrungsbasierte Lernformen wie Experimentieren, zeitgemäße Informationstechnologie). Haptisches und kognitives Arbeiten gehen hier Hand in Hand; die Räume müssen folglich ineinander übergehen und nicht voneinander getrennt werden.
  • Die Infrastruktur für eine digital gestützte Lern- und Schulorganisation muss in Raumstrukturen verankert werden, damit sie künftig ein alltägliches und vor allem lernunterstützendes Element werden kann.
  • Die Raumgestaltung und -ausstattung muss inklusiv sein für alle Altersgruppen, Geschlechter und Körperlichkeiten.

Das bedeutet, die Raumstruktur muss dabei unterstützen, Segregation und Marginalisierung von Schülerinnen und Schülern zu verhindern. Dies wird unter anderem auch dadurch unterstützt, dass einfach überall gelernt werden kann – anders als in langen Gängen, von denen eine Unzahl von Räumen abgehen.

Angelehnt an die Raumkonzeptionen der Montag Stiftung soll ein Schulbau der Zukunft für die "Universitätsschule Dresden" entstehen. Das Lernhaus wurde geplant, doch pandemiebedingt ist es der Stadt nicht möglich, die benötigte Geldsumme aufzubringen. Der bisherige 70er-Jahre-Plattenbau bietet Raum für 550 Lernende – für eine Schule, die auf ca. 1.200 Schüler aufwächst. Die Räume sind für einen lehrerzentrierten Unterricht auf 49 qm ausgerichtet; Kommunikation wird zu krankmachendem Lärm. Die Schulgemeinschaft setzt sich für das dringend benötigten Lernhaus ein.


Prof. Dr. Anke Langner ist Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Inklusive Bildung an der Technischen Universität Dresden und leitet das Forschungsprojekt "Universitätsschule Dresden".