Kompetenzzentrum digIT4.0@TUM gegründet

Die Technische Universität München (TUM) hat ein Kompetenzzentrum gegründet, das die Ausbildung der Lehrkräfte für die beruflichen Schulen neu entwerfen wird. Das digIT4.0@TUM wird in Austausch mit allen relevanten Akteuren untersuchen, wie der digitale Wandel der Berufsfelder im Unterricht optimal vermittelt werden kann. In einem Digitallabor können die Studierenden mit konkreten Szenarien arbeiten. Die Erkenntnisse werden auch mit Fortbildungen in die Schulen gebracht.

Junge Menschen diskutieren in einem Seminar vor einem Whiteboard

Seminarstunden können künftig im Digitallabor gefilmt werden, sodass die Studierenden anschließend ihre Vorgehensweise besprechen können.

© Astrid Eckert/TUM

Dass die Digitalisierung nahezu alle Berufsfelder ändert, ist heute unumstritten, ebenso, dass Schülerinnen und Schüler gut auf den Wandel vorbereitet werden sollten. Aber welche Kompetenzen brauchen Lehrerinnen und Lehrer der beruflichen Schulen, um dieses Ziel im Unterricht zu erreichen?

Die Technische Universität München hat nun das Kompetenzzentrum digIT4.0@TUM gegründet, das neue Bildungskonzepte entwickeln, erproben und anderen Akteuren der Lehramtsausbildung zur Verfügung stellen wird.

Das Zentrum zeichnet aus, dass es weit über die Universität hinaus alle relevanten Akteurinnen und Akteure der beruflichen Bildung ins Boot holen wird – Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen, Handwerkskammern und Wirtschaftsverbände, Einrichtungen des Schulsektors, Politik und andere Hochschulen. „Bislang haben zwar die Berufsschulen und auch die Bildungsforschung mit der Wirtschaft kooperiert. Aber der eine Schritt weiter wurde nur selten gegangen: Zur Ausbildung der Berufsschullehrkräfte gab es bislang kaum Austausch, obwohl doch in den Unternehmen die Expertinnen und Experten für die aktuellen Entwicklungen in den Berufsfeldern sind“, sagt Prof. Dr. Eveline Wittmann, Projektleiterin des Projekts "Teach@TUM4.0 – Innovative und zukunftsweisende Maßnahmen in der Lehrerbildung für berufliche Schulen", in dessen Rahmen das Kompetenzzentrum entwickelt wurde.

Schon zum Start des Zentrums zeigt sich, dass das Interesse in der Wirtschaft an der gemeinsamen Arbeit sehr groß ist.

Prof. Dr. Eveline Wittmann, Technische Universität München

Neues digitales Labor

Im ersten Schritt richtet das Zentrum im neuen digitalen Labor (TUM-DigiLLab) der TUM School of Education vier Themenbereiche mit den jeweiligen Technologien ein, in denen die Studierenden konkrete Situationen aus der Arbeitswelt durchspielen können: Industrie 4.0, Smart Home, Gesundheit sowie Gastronomie und Lebensmittel-Einzelhandel.

Bei Smart Home geht es um ein Szenario, in dem die Versorgung pflegebedürftiger Menschen mit sensor- und videobasierten Technologien unterstützt werden soll. Dabei stellen sich in den beteiligten Berufen nicht nur technologische Fragen: Pflegekräfte müssen die Auswertung erhobener Daten mit dem Anspruch auf Selbstbestimmung der Gepflegten in Einklang bringen. Elektrofachkräfte, die die Technik installieren, sollten die Pflegenden deshalb zum Beispiel auch zu Fragen des Datenschutzes beraten können.

Fortbildungen geplant

Auch in den anderen Themenbereichen werden Fragen aufgegriffen, die über den Tellerrand hinausweisen, etwa nach einem ressourcenschonenden Umgang mit Materialien. „Den künftigen Lehrerinnen und Lehrern wollen wir mit diesen Szenarien ermöglichen, die Bedeutung solcher Fragen für das jeweilige berufliche Handeln zu verstehen und zu reflektieren“, sagt Wittmann. „Sie sollen in der Lage sein, Ideen zu entwickeln, wie sie Schülerinnen und Schülern einen ethisch verantwortungsbewussten, kompetenten und nachhaltigen Umgang damit vermitteln können. Zudem wollen wir sie befähigen, über ihren eigenen Fachbereich hinaus mit anderen Disziplinen zusammenzuarbeiten.“

Die Seminarstunden – beispielsweise Rollenspiele für bestimmte Unterrichtssituationen – können im Digitallabor gefilmt werden, sodass die Studierenden anschließend ihre Vorgehensweise besprechen können. Das digIT4.0@TUM hat nicht nur die angehenden Lehrkräfte im Blick, sondern wird auch neue Fortbildungen für heutige Lehrerinnen und Lehrer entwickeln.