Inklusionssensible Lehrerbildung an der Universität Bielefeld – Austauschtreffen zur standortspezifischen Ausgestaltung

Im April 2021 haben in einem von der Bielefeld School of Education initiierten Online-Treffen 30 Teilnehmende den im Dezember 2020 veröffentlichten Bericht zum Stand der Umsetzung der gemeinsamen Empfehlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der Kultusministerkonferenz (KMK) „Lehrerbildung für eine Schule der Vielfalt“ diskutiert. Dieser wurde zum Anlass genommen, sich über die standortspezifischen Umsetzungswege und Erfahrungen der Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften auszutauschen.

Willkommensfolie der Tagung mit Bils eines Universitätsgebäudes

Fünf Jahre nach der gemeinsamen Empfehlung der HRK und KMK „Lehrerbildung für eine Schule der Vielfalt“ zog die Zwischenevaluation eine positive Bilanz zum Stand der deutschlandweiten Umsetzung.

© Julia Schweitzer

Von Julia Schweitzer

Fünf Jahre nach der gemeinsamen Empfehlung der HRK und KMK „Lehrerbildung für eine Schule der Vielfalt“ wird in der im Dezember 2020 veröffentlichten Zwischenevaluation eine positive Bilanz zum Stand der deutschlandweiten Umsetzung gezogen. Wie mit dem Steuerungsimpuls in der Lehrerbildung an der Universität Bielefeld konkret umgegangen wurde, war Kern des initiierten Austauschtreffens. So sollte eine standortspezifische Zwischenbilanz unter Einbezug der Perspektive von Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften gezogen werden.

Der Mehrwert des Zentrums „Inklusionssensible Lehrer*innenbildung“
Nachdem Dr. Lilian Streblow den übergreifenden Bericht zum Stand der Umsetzung der HRK und KMK Empfehlungen vorgestellt hatte, erläuterte Prof. Dr. Martin Heinrich, inwiefern die Universität Bielefeld durch das im Rahmen der ersten Förderphase der Qualitätsoffensive Lehrerbildung gegründete Forschungs- und Entwicklungszentrum „Inklusionssensible Lehrer*innenbildung“ auf die mit der Umsetzung schulischer Inklusion verbundenen Ausbildungsanforderungen reagiert. So würde z. B. durch die gebündelte Darstellung von Forschungsprojekten sowie von einschlägigen Veranstaltungen die Auffindbarkeit von Inhalten verbessert, die Kooperation mit den Schulen in der Region intensiviert und die Vernetzung zwischen Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften gezielter gefördert, um bspw. die Lehre weiterzuentwickeln.

Projekte der Qualitätsoffensive Lehrerbildung als Impuls
Danach wurde sich der Frage zugewendet, welche Impulse aus den Teilprojekten des Bielefelder Projekts „BiProfessional“ im Sinne von Forschung und Entwicklung standortbezogen und standortübergreifend gewonnen werden können. Beispielhaft stellten dazu Ann-Christin Faix und Prof. Dr. Elke Wild das Teilprojekt 4 „Von der Diagnostik zur Förderung und Didaktik“ vor und betonten die Bedeutsamkeit von interdisziplinären Kooperationen in der Lehre. Darüber hinaus gab Prof. Dr. Matthias Wilde einen Einblick in das Teilprojekt 5 „Fort- und Weiterbildung für die inklusive Schule“, in dem Fortbildungskonzepte zu inklusiver Schul- und Unterrichtsentwicklung von verschiedenen Fachdidaktiken entstehen.

Standortspezifische Konsequenzen
Anschließend moderierte Prof. Dr. Petra Josting die geöffnete Diskussion und warf die Frage auf, welche Erfahrungen mit der Umsetzung der Anforderungen an eine inklusionssensible Lehrerbildung in Bielefeld bisher gemacht wurden und welche Wünsche es diesbezüglich konkret an die Bielefeld School of Education gibt. Viele Entwicklungen der letzten Zeit wurden positiv bewertet, etwa das regelmäßige Zusammenbringen von Agierenden aller Phasen der Lehrerbildung hinsichtlich inklusionsbezogener Fragestellungen durch Fachtage. Weiterer Handlungsbedarf wird z. B. bei der Berücksichtigung der zunehmenden Heterogenität der Lehramtsstudierenden gesehen.

Screenshot mit den Teilnehmenden, die in ihre Kameras schauen

Runde der organisierenden und referierenden Personen

© Julia Schweitzer

Außerdem wurde auch kritisch auf das Inklusionsverständnis der gemeinsamen Empfehlung von HRK und KMK geblickt. Das Zentrum „Inklusionssensible Lehrer*innenbildung“ könne als Infrastruktur für die Rekontextualisierung der Empfehlungen und Reflexionsort für standortspezifische Adaptionen dienen. Hier sei auch eine selbstkritische Betrachtung hinsichtlich der eigenen Verstrickungen im Zuge von Rekontextualisierungsprozessen wünschenswert. Zukünftig wird es ein spezifisches Austauschformat zu diesem Aspekt geben.