"Formen der (Re-)Präsentation fachlichen Wissens" – Neuerscheinung des Kieler Projekts LeaP@CAU – Lehramt mit Perspektive

Im kürzlich erschienenen Sammelband stellt das Kieler Projekt "LeaP@CAU" die Frage nach den "Formen der (Re-)Präsentation fachlichen Wissens". Der Band dokumentiert in Auswahl eine interdisziplinäre Tagung an der Universität zu Kiel, die fachdidaktischen und bildungswissenschaftlichen Ansätzen und Methoden der Erforschung von Formen der Wissensrepräsentation in der Lehrkräftebildung gewidmet war. Das Herausgeberteam beantwortet die wichtigsten Fragen zur Neuerscheinung.

Darstellung mehrerer Personen und Vögel

Lea Maria Manthei lieferte die künstlerische Umsetzung des Themas in Form eines Bildes, das das Cover des Bandes schmückt. Sie ließ sich dabei von dem Wort "Vogel" und dessen Repräsentationen und Assoziationen inspirieren.

© Lea Maria Manthei

Tobias Heinz, Birgit Brouër, Margot Janzen und Jörg Kilian, die Herausgeberinnen und Herausgeber des Bandes "Formen der (Re-)Präsentation fachlichen Wissens" beantworten die wichtigsten Fragen zur Neuerscheinung des Kieler Projekts "LeaP@CAU – Lehramt mit Perspektive".


Worum geht es in Ihrem Buch?

Zum einen geht es uns um die interne Präsentation des Wissens, gewissermaßen um seine Sortierung und Struktur. Zum anderen geht es um Fragen der externen Repräsentation und Darbietung von Wissen, also um Fragen der Wissensvermittlung. Welche Wissensstrukturierungen und Wissensdarstellungen sind geeignet, die fachlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu fördern?

So erklärt sich auch der Titel mit den zwei Lesarten "Repräsentation/Präsentation"?

Genau. Die Grundidee, die wir damit andeuten, ist natürlich die Frage, wie fachliches und fachübergreifendes Wissen in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung dargestellt werden müssen, damit sie das Lernen der Studierenden – und darauf aufbauend zukünftig das Lernen von Schülerinnen und Schülern – optimal unterstützen können. Mit "Darstellung" ist hier nicht ein Abbildverhältnis gemeint, sondern eine fachliche und fachdidaktische Rekonstruktion der fachlichen Gegenstände, um sie lehr- und lernbar zu machen. Welche Darstellungsformen sind geeignet, die Entwicklung unterrichtsnahen Wissens angehender Lehrkräfte zu fördern, und welches fachliche Hintergrundwissen benötigen sie?

Wie ist der Sammelband entstanden?

Der Sammelband präsentiert Vorträge einer interdisziplinären Tagung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die im Rahmen des Kieler Projekts "Lehramt mit Perspektive – LeaP@CAU" der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" gefördert und im Oktober 2018 gemeinsam mit dem Forum für Fachdidaktik im Zentrum für Lehrerbildung der CAU Kiel realisiert wurde. In den Vorträgen wurde das Tagungsthema aus fachdidaktischen, erziehungswissenschaftlichen und psychologischen Perspektiven beleuchtet. Im vorliegenden Band halten die Autorinnen und Autoren nun eine Auswahl der wichtigen Ergebnisse dieser Tagung fest. Programmatisch eröffnet wird der Band mit einem Beitrag Hans-Jörg Rheinbergers, der zu Beginn auf der Grundlage seiner vielfältigen Forschung "Dimensionen der Repräsentation in der wissenschaftlichen Praxis" entfaltet.

Welche Fragen standen im Fokus des Interesses?

Als Leitfragen dienten der Tagung unter anderem die folgenden: Welche Erkenntnisse über Formate und Formatierungen sowie Enkodierungen des Wissens liegen in den Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften vor? Welche Ansätze und Methoden der (Re-)Präsentation des Wissens liegen der Forschung und Lehre in den einzelnen Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften zugrunde? Welche empirischen Befunde und Praxiserfahrungen sind dazu bekannt?

Warum ist das Thema wichtig?

Zwar ist die (Re-)Präsentation des Wissens in einzelnen fachdidaktischen und bildungswissenschaftlichen Disziplinen der Lehrerinnen- und Lehrerbildung mittlerweile gut erforscht. Der Austausch der Ansätze, Methoden und Ergebnisse dieser Forschung zwischen den Disziplinen erfolgt jedoch aus unserer Sicht nach wie vor nur zögerlich. Darüber hinaus ist das Thema "Formen der (Re-)Präsentation fachlichen Wissens" für die Lehrerinnen- und Lehrerbildung in verschiedener Hinsicht zentral. Zum einen geht es um die Frage der internen, kognitiven Repräsentation des Wissens von Schülerinnen und Schülern wie auch von Lehramtsstudierenden und Lehrkräften. Aus der Kognitionspsychologie wissen wir, dass eine intelligente Wissensrepräsentation im Langzeitgedächtnis der Schlüssel zum Können ist. Daran wollten wir anknüpfen und dies einmal fachspezifisch und fächerübergreifend ausdifferenzieren.

Wie geht es weiter?

Die inspirierende Frage, wie ein intelligent repräsentiertes Wissen bei Schülerinnen und Schülern, aber auch bei Lehrkräften beschaffen sein muss, damit es für die Bildung eines jeden Individuums nützlich ist, gegebenenfalls auch angewendet werden kann und tatsächlich der Schlüssel zum Können ist, diese Frage ist jetzt einmal in vielen Facetten gestellt und in ihrer Bedeutung ersichtlich geworden. Die Kolleginnen und Kollegen unserer Universität und anderer Standorte haben fachbezogene und fachübergreifende Perspektiven erörtert, die der Band zusammenträgt. Das hat sicher erstens Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften zusammengebracht, zweitens aber auch den Austausch zwischen den Fachdidaktiken selbst intensiviert. Die Beiträge des Bandes ermöglichen uns nun, diese Früchte unserer Forschungen und Diskussionen in die Lehre einzubringen, aber auch einen Weg für die gemeinsame Erörterung und Weiterentwicklung von fächerübergreifenden Perspektiven zu bahnen.
In diese interdisziplinäre Kontextualisierung werden wir uns auch weiter einbringen.