Digital und differenziert: Workshopreihe des Instituts für Sprachen und Mehrsprachigkeit in Saarbrücken zeigt Potentiale des digitalen Sprachenlernens auf

In der Workshopreihe "Sprachliche Vielfalt mit digitalen Medien fördern, nutzen und gestalten" des Instituts für Sprachen und Mehrsprachigkeit der Universität des Saarlandes werden Potentiale und Herausforderungen von sprachlicher Heterogenität und Digitalisierung sowohl im Deutsch- als auch im Fremdsprachenunterricht aufgezeigt. Der große Ansturm auf den Workshop "Sprachförderung digital" macht den hohen Bedarf an Weiterbildungsformaten zu Konzepten für den digitalen Unterricht deutlich.

eine Frau sitzt vor einem Sofa und blickt nach rechts, vor ihr ein Laptop

Pandemiebedingt werden viele Workshops aktuell als virtuelle Veranstaltung angeboten.

© Alliance/Adobe Stock

Von Adrian Wolter und Christiane Stein

Sprachliche Vielfalt ist fester Bestandteil unseres Alltags, was sich nicht zuletzt auch in den Schulen bemerkbar macht: Klassenzimmer sind mehrsprachige Lernorte, in denen verschiedene Kulturen und Sprachen aufeinandertreffen. Sprachliches Lernen gewinnt vor diesem Hintergrund auch über die sprachlichen Fächer hinaus an Relevanz für den Unterricht. Dass sich sprachliches Lernen und ganz allgemein die Anforderungen an Unterricht in einer Kultur der Digitalität verändern, liegt dabei ebenso auf der Hand. Die Workshopreihe "Sprachliche Vielfalt mit digitalen Medien fördern, nutzen und gestalten" des Instituts für Sprachen und Mehrsprachigkeit (ISM), die im Zuge des Projektes SaLUt der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" an der Universität des Saarlandes realisiert wird, knüpft an diese Erkenntnis an und versucht, bereits praktizierende Lehrkräfte mit angehenden Lehrkräften in Austausch zu bringen. Dabei wird erarbeitet, wie sprachliches Lernen entsprechend der individuellen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler und der Gegebenheiten der Digitalität gestaltet werden kann.

Pandemiebedingt wurde die ansonsten in Präsenz stattfindende Workshopreihe, bestehend aus insgesamt drei Workshops, als digitale Veranstaltung angeboten. Dabei traf vor allem der Workshop "Sprachförderung digital" auf eine große Resonanz. Dieser macht sich zum Ziel, auszuloten, welchen Stellenwert das sprachliche Lernen in einer Kultur der Digitalität einnimmt. Drei grundsätzliche Positionen stehen hierbei im Zentrum der Diskussion: Die postdigitale Perspektive, die dafür plädiert, digitale Medien nicht als 'reine' Werkzeuge, sondern als den Lernprozess und die didaktische Ausrichtung des Unterrichts beeinflussende Faktoren anzusehen. Daneben steht die so genannte Mehrwerttheorie beziehungsweise Theorie des 'digital gestützten' Lehrens und Lernens. Diese Position sieht den Einsatz digitaler Medien nur dann als gerechtfertigt an, wenn dieser einen erkennbaren Mehrwert zum Beispiel gegenüber analogen Medien/Inhalten aufweist. Die dritte Position lehnt den Einsatz digitaler Medien grundsätzlich ab.

Auf der Grundlage dieser Positionen wird angestrebt, gemeinsam zu hinterfragen, welche Voraussetzungen und Bedingungen (Ausstattung, Fortbildung der Lehrenden, Konzepte) Schulen erfüllen müssen, damit der Unterricht einer Kultur der Digitalität gerecht werden kann. Dabei stehen beispielsweise neben dem individuellen Potenzial einzelner Anwendungen auch Fragen nach den Herausforderungen und Grenzen bestimmter Anwendungen (zum Beispiel Infrastruktur, Umsetzbarkeit) im Diskussionsinteresse.

Neben solchen Reflexionsphasen sind im Workshop "Sprachförderung digital" auch Praxisteile ein wichtiges Element der Veranstaltung. Die Teilnehmenden testen zum Beispiel bereits vorhandene Apps aus, reflektieren die inhaltliche Güte verschiedener Anwendungen und entwickeln in Teams eigenständig Angebote für ihren Unterricht. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Möglichkeiten zur Schaffung authentischer Lernerlebnisse, die durch Augmented Reality und Virtual Reality-Anwendungen Einzug in den Unterricht halten können: In diesem Zusammenhang erproben die Teilnehmenden Anwendungen wie Augmelity oder CoSpaces Edu. Für den differenzierten (Fremd-)Sprachenunterricht ergeben sich hier zahlreiche Einsatzszenarien: Schülerinnen und Schüler können basierend auf ihrem individuellen Lernstand beispielsweise Vokabeln und grammatische Phänomene visualisieren, interaktive Lesekisten und Präsentationen entwickeln, authentische Interkationen üben.

Der große Ansturm auf den Workshop und die Bitte, diesen auch weiterhin als Fortbildungsveranstaltung anzubieten, hat verdeutlicht, dass dem digitalen Lehren und Lernen allgemein, aber auch vor dem Hintergrund der aktuellen Lage in den Schulen, ein hoher Stellenwert zukommt. Die (angehenden) Lehrkräfte zeigten großes Interesse an Konzepten und möglichen Einsatzszenarien für den Unterricht, was wiederum dafür spricht, dass der Unterricht mit digitalen Medien vor allem eins braucht: Didaktisch hochwertige Inhalte und ausreichend Kapazitäten und Möglichkeiten für Lehrkräfte, sich diesen anzunehmen.


Adrian Wolter und Christiane Stein sind wissenschaftliche Mitarbeitende am Institut für Sprachen und Mehrsprachigkeit, am Lehrstuhl Fachdidaktik Deutsch Primarstufe und am Forschungsinstitut Bildung Digital an der Universität des Saarlandes.