digiMINT am KIT: Digitalisierung in der Lehrkräftebildung

Die Zeit des Corona-Lockdowns hat die Digitalisierungsprobleme an Deutschlands Schulen sichtbar gemacht. "Im internationalen Vergleich", konstatiert der am 23. Juni 2020 veröffentlichte Nationale Bildungsbericht 2020, "sind deutsche Schulen damit nicht anschlussfähig." Das im März am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gestartete Projekt "digiMINT: digitalisiertes Lernen in der MINT-Lehrer*innenbildung" tritt an, daran etwas zu ändern.

Hände halten eine Kamera vor einer Zeichnung

Mithilfe fachwissenschaftlicher Expertise entwickelt, erprobt und evaluiert das Karlsruher Institut für Technologie in den MINT-Fächern digitale Unterrichtseinheiten für Lehrerinnen und Lehrer und bereitet sie für den Transfer in die Schulpraxis vor.

© KIT-ZML

"Digitales Lernen – das hat sich in den Monaten des Lockdowns oft genug auf den E-Mail-Versand von Arbeitsblättern beschränkt. Dass Lehrkräfte einen virtuellen Klassenraum gestalten, in dem Schülerinnen und Schüler sich mit den Lehrkräften treffen, war die absolute Ausnahme", sagt Professor Alexander Woll, Projektleiter digiMINT und Direktor des Instituts für Sport und Sportwissenschaft am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). "In digiMINT erweitern die angehenden Lehrkräfte ihr ‚digitales Repertoire‘. Den Kindern und Jugendlichen wird dies im traditionellen Präsenzunterricht ebenso zugutekommen wie in Online-Situationen." Denn zu häufig beschränkt sich der Einsatz digitaler Medien im Präsenzunterricht auf den Ersatz traditioneller Medien, so der Bericht.

"Letztlich", so Alexander Woll, "geht es darum, dass die Digitalisierung didaktische Möglichkeiten hervorbringt, die es vorher nicht gegeben hat. Erklärvideos, Podcasts und Smartphone-Anwendungen schließen nicht nur an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler an; sie haben auch das Potenzial, den Schulunterricht auf ein den heutigen Anforderungen angemesseneres Niveau zu heben. Nicht jeder Unterricht, in dem digitale Medien eingesetzt werden, ist deswegen ein besserer Unterricht. Entscheidend ist, dass sie ‚richtig‘ eingesetzt werden, nämlich technisch versiert, fachdidaktisch kreativ und bildungswissenschaftlich reflektiert. Genau hierfür ertüchtigen wir unsere Studierenden in digiMINT."

Professor Alexander Woll

Professor Alexander Woll ist Projektleiter von digiMINT und Direktor des Instituts für Sport und Sportwissenschaft am Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

© KIT Presseabteilung

Als technisch ausgerichtete Universität legt das KIT seinen Schwerpunkt in der Lehrkräfteausbildung auf die MINT-Fächer. Entsprechend liegt der Fokus im Projekt digiMINT auf den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik sowie den Bildungswissenschaften. Mithilfe der vorhandenen fachwissenschaftlichen Expertise entwickelt, erprobt und evaluiert das KIT in den MINT-Fächern digitale Unterrichtseinheiten für Lehrerinnen und Lehrer und bereitet sie für den Transfer in die Schulpraxis vor. digiMINT gliedert sich in vier Projektphasen. In der ersten Projektphase werden reale und virtuelle Lernumgebungen (sogenannte Makerspaces) am KIT eingerichtet. Sie bieten den Studierenden eine technologisch und medienpädagogisch professionelle sowie lernzentrierte Umgebung und bilden die Basis für die Entwicklung von Unterrichtseinheiten. Auf Grundlage der baden-württembergischen gymnasialen Bildungspläne in den MINT-Fächern werden in der zweiten Phase passende Unterrichtseinheiten mit hoher schulpraktischer Relevanz entwickelt. Die dritte Projektphase dient dazu, die neu entwickelten Lerneinheiten mit Schülerinnen und Schülern zu erproben, zu evaluieren und gegebenenfalls anzupassen. Dies geschieht in den bereits existierenden Schüler- und Lehr-Lern-Laboren in den MINT-Fächern des KIT. Im Rahmen der vierten Projektphase werden die Innovationen im Bereich digiMINT nachhaltig in das Lehrangebot am KIT implementiert und zugleich für den Transfer auf andere universitäre sowie schulische Standorte vorbereitet.