Die Evaluation der ersten Förderphase der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung": Methodik und ausgewählte Ergebnisse

Die Evaluation unterstützt bei der Programmumsetzung der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" und hat vor allem die Aufgabe, Wirkungen des Förderwettbewerbs zu identifizieren und zu bewerten. Dafür wurden Daten systemisch, iterativ und unter methodologischer Triangulation erhoben sowie ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass auf struktureller Ebene neben einer verstärkten Profilbildung die Optimierung von Quer-, Gremien- und Kooperationsstrukturen im Vordergrund der geförderten Maßnahmen standen.

Personen sitzen in einem Raum und betrachten eine Präsentation, ein Mann im Vordergrund hält einen Vortrag; © Ramboll Management Consulting

Die gemeinsame "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" von Bund und Ländern wird durch eine unabhängige, programmbegleitende Evaluation bewertet.

© Ramboll Management Consulting

Von Anja Durdel und Jan Morgenstern

Nach einem offenen Bieterverfahren wurde Ramboll Management Consulting gemeinsam mit ihrem Evaluationspartner Herbert Altrichter, Professor für Pädagogik und Pädagogische Psychologie an der Johannes Kepler Universität Linz, im März 2016 mit der Durchführung der Programmevaluation der ersten Phase der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" beauftragt. Die Evaluation erfolgte, um die Wirkungen des Förderprogramms auf Strukturen, Prozesse, Inhalte und Qualität der Lehrkräftebildung zu bewerten und die Programmumsetzung durch die fortlaufende Bereitstellung von Erkenntnissen zu unterstützen. So zeigte der im März 2018 erschienene Zwischenbericht der Evaluation unter anderem, dass die Anforderungen an berufliches Lehramt und an Digitalisierung in der Lehrerbildung verstärkt adressiert werden sollten. Folgend wird ein Einblick in die Methodik der Evaluation des Förderprogramms sowie in erste ausgewählte Ergebnisse gegeben. Zu den anderen Handlungsfeldern des Programms wird auf den Abschlussbericht verwiesen, der nach Veröffentlichung auf der Seite von Ramboll abrufbar sein wird.

Methodik und theoretischer Hintergrund

Die Evaluation adressierte die verschiedenen Akteure auf drei Untersuchungsebenen: (1) Förderumgebung, (2) Programmebene sowie (3) Projektebene. Da insbesondere das Erreichen der Förderziele und die Wirkungen der Förderkonstruktion beurteilt sowie Empfehlungen für die weitere Umsetzung des Förderwettbewerbs formuliert werden sollten, lag der Fokus auf der Programmebene. Deutlich wurde jedoch auch, dass die Förderumgebung auf Länderebene besonders hinsichtlich der Teilung von Verantwortung sowie der Programmatik von Schul- und Wissenschaftspolitik Einfluss auf die Projektumsetzung an den Hochschulen hat.

Die Programmevaluation erfolgte anhand systematisch erhobener empirischer Daten, wobei die Perspektive der Educational Governance als theoretischer Rahmen diente. Denn die Governanceforschung fokussiert – als beschreibender statt normativer Ansatz – darauf, die Handlungskoordination der Akteure, in den beispielsweise in Altrichter/Maag Merki 2010 beschriebenen, unterschiedlichen Rollen und Logiken im Mehrebenensystem der Lehrkräftebildung zu rekonstruieren. Folglich kann die Evaluation so ihrem Ziel gerecht werden, die Strukturen, Akteure und Prozesse und nicht fachliche Aspekte einzelner Handlungsfelder zu analysieren.

Die Durchführung der Evaluation erfolgte systemisch, iterativ und mit einem Mix aus quantitativen wie qualitativen Methoden. Der gleichermaßen formative wie summative Charakter der Programmevaluation erforderte einen systematischen Ablauf der Erhebungsschritte, sodass Erkenntnisse in einem 2017 erschienenen Umfeldbericht und 2018 in einem Zwischenbericht nutzbar gemacht werden konnten. Eine ausführliche Darstellung der methodischen Herangehensweise findet sich in Kapitel 8 des Zwischenberichts.

Ausgewählte Ergebnisse aus dem Abschlussbericht

Die "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" trifft an Hochschulen und in den Bundesländern auf eine breite Akzeptanz und greift die relevanten Entwicklungsaufgaben der Lehrerinnen- und Lehrerbildung zur richtigen Zeit auf. Systemische Wirkungen konnten unter anderem erreicht werden, indem das Förderprogramm als Basis eine Bund-Länder-Vereinbarung erhielt. Außerdem unterstützte die Einbindung der Wissenschaftsbehörden und der Hochschulleitung in die Antragstellung und zum Teil in die Projektumsetzung ein Umfeld zu schaffen, in dem zu weiten Teilen an nachhaltigen Lösungen gearbeitet und Kooperation und Koordination gefördert werden.

Dazu trugen auf Projektebene in besonderem Maße die Querstrukturen (Schools/Zentren) bei, welche vielfach im Rahmen der Förderung gestärkt oder auch neu etabliert wurden. Die Stärkung der Querstrukturen ist Teil des Handlungsfelds "Profilierung und Optimierung der Strukturen der Lehrerbildung", das alle geförderten Projekte von Beginn an bearbeiteten und mit der damit verbundenen Strukturbildung auch eine erfolgreiche Umsetzung von Projekten in anderen Handlungsfeldern befördern. Die Maßnahmen in diesem Handlungsfeld bezogen sich vor allem auf die Optimierung der Quer- und Gremienstrukturen, auf die Strukturen zur Kooperation mit der zweiten und dritten Phase der Lehrkräftebildung sowie auf die Profilbildung an der Hochschule, beispielsweise durch die stärkere Einbindung der Hochschulleitung auf verschiedenen Ebenen. Dabei kam den Querstrukturen eine zentrale Rolle zu, da diese als Schaltstellen – sowohl intern wie extern – fungieren. Beispielhaft zeigt sich für die Kooperationen mit den anderen Phasen der Lehrkräftebildung eine mehr als fünfzigprozentige Zunahme der Maßnahmen während der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung", um sich beispielsweise bezüglich der Ausbildungsinhalte besser abzustimmen.

Abbildung Programm-Monitoring Wellen 1 (2016) und 3 (2019); © Ramboll Management Consulting

Häufigkeit von umgesetzten Maßnahmen zur besseren Verzahnung der Phasen der Lehrerbildung

© Programm-Monitoring Wellen 1 (2016) und 3 (2019), Ramboll Management Consulting

Besondere Herausforderungen hatten Verbundprojekte zu bearbeiten, da sie sowohl intra- als auch interhochschulische Prozesse und Strukturen optimieren. Während Einzelprojekte zur Optimierung der Strukturen mehrheitlich vorhandene Gremien nutzten, waren Verbundprojekte stärker auf die Bildung neuer leistungsstarker Gremien angewiesen.

Ausblick auf die 2. Förderphase

Mit der Zwischenbegutachtung und Fortsetzung der Förderung fast aller Projekte in der zweiten Förderphase wird darüber hinaus die Möglichkeit gegeben, Vorhaben weiter zu vertiefen und insbesondere nachhaltig zu verankern. Ramboll wird auch diese Phase begleitend evaluieren und dabei die Methodik in aktualisierter Form fortsetzen. So kann an Erkenntnisse der Evaluation der ersten Förderphase angeknüpft und die Wirkungsanalyse fortgeschrieben werden.


Dr. Anja Durdel und Jan Morgenstern sind bei Ramboll Management Consulting GmbH im Bereich "Politikberatung und Evaluation" tätig und Teil des Evaluatoren-Teams, das sowohl die erste als auch die zweite Förderphase begleitet(e).